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Reaktion auf Futter /
Kann eine proteinreiche Ernährung, wie sie aktuell viel befürwortet wird, meinen...?

„Ein Hund lebt nicht von Fleisch allein“

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Gefragt von Adina

Kann eine proteinreiche Ernährung, wie sie aktuell viel befürwortet wird, meinen Hund aggressiver machen?

default Expertenteam antwortet:

Hallo Adina,

fangen wir mal damit an, was ein Hund so an Protein benötigt: auf die Trockensubstanz!!  bezogen mindestens 18%, der deklarierte Wert bezieht sich auf die Originalsubtanz, hier ist Rechnen angesagt.

Trockensubstanz (TS)=  100% – z.B. 10% Feuchtigkeit, also z.B. 90%. Das bedeutet, dass auf der Verpackung mindestens 20% Protein angegeben sein müsste.

Im Erhaltungsstoffwechsel (also für den erwachsenen Hund, ohne besondere Leistungen) werden 18% Protein und für wachsende oder trächtige/säugende Hunde 20 – 25% empfohlen. Diese Werte werden in der Fütterungspraxis meistens überschritten. Beim Selberkochen  sollten bis zu 45% der Gesamtration mit Eiweißlieferanten abgedeckt werden.

Nun zu aggressivem Verhalten, ausgelöst durch zuviel Eiweiß.

Sabine Schroll, Tierärztin mit Diplom f. Zoopsychiatrie hat im  Veterinary Focus / / Vol 20 No 1 / / 2010  dazu folgendes geschrieben.

„Hunde, die in Studien ein Protein-reduziertes und/oder mit Tryptophan angereichertes Futter erhalten haben, zeigen tatsächlich weniger territoriale Aggression und „dominance aggression“. Ein Problem bei der Beurteilung ergibt sich hier aus dem schwammigen und veralteten Begriff „dominance aggression“, unter dem eine Vielzahl von unterschiedlich motivierten Aggressionsformen (Frustration, defensive Aggression, irritative Aggression, etc.) zusammengefasst wird“.

Die Wirkweise beruht auf der Erhöhung des Serotoninspiegels im Gehirn durch Reduktion von Protein und Erhöhung von Tryptophan in der Ernährung. „Serotonin wirkt stimmungsaufhellend und reduziert die Impulsivität und die Reaktivität“.  Die genannten diätischen Maßnahmen erleichtern den Transport von Tryptophan (Ko-Faktoren für die Synthese von Serotonin) in das Gehirn, weil Kohlenhydrate im Unterschied zu Fleisch weniger „andere Aminosäuren“ enthält, die während des Transportes in das Gehirn in Konkurrenz zum Tryptophan stehen könnten.

Nudeln (Kohlenhydrate) und Schokolade (reich an Tryptophan) machen glücklich – warum sollte das nicht auch für den Hund gelten. Aber Achtung: Theobromin in Schokolade ist für Hunde giftig!

Im Artikel angeführte Studien für mehr Informationen:

1.         Houpt KA, Zicker S. Dietary effects on canine and feline behavior. Vet Clin Small Anim 2003; 33: 405-416.

2.         2. Dodman NH, Reisner I, Shuster L, et al. Effect of dietary protein content on behavior in dogs. JAVMA 1996; 208: 376-379.

3.         DeNapoli JS, Dodman NH, Shuster L, et al. Effect of dietary protein, content and tryptophan supplementation on dominance aggression,

            territorial aggression, and hyperactivity in dogs. JAVMA 2000; 217: 504-508.


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