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Nur 4 % Fleischanteil im Hundefutter?

„Ein Hund lebt nicht von Fleisch allein“

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Artikel von
Expertenteam

Nur 4 % Fleischanteil im Hundefutter?

20 bis 60% Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse sind im Futter

Welcher Fleischanteil ist wirklich in Hundefutter?

Feuchtfutter enthält bis zu 60% Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse, Trockenfutter über 20%.

Die vielzitierten 4%, die auf der Packung angegeben werden, sind nur das Minimum des geschmackgebenden und beworbenen Rohmaterials  (z.B. Rind, oder Truthahn oder Leber)

Hundehalter gehen häufig von der Annahme aus, dass Hundefutter nur 4% Fleisch enthält. Das stimmt nicht! Feuchtfutter enthält bis zu 60% Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse und Trockenfutter über 20%. Die 4% Aussage bezieht sich ausschließlich auf die Mindestmenge des Fleischanteils der jeweils beworbenen Variante oder Geschmacksrichtung, z.B. Rind, oder Truthahn oder Scampi und nicht auf die Gesamtfleischmenge im Produkt.

Wären im Hundfutter nur 4% Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse enthalten, müsste man das Futter ja schon beinahe als „vegetarisch“ bezeichnen.

Woher kommt die Annahme, dass nur 4% Fleisch im Produkt enthalten sind?

Der Gesetzgeber fordert bei der Bewerbung (Auslobung) spezieller Inhaltsstoffe, dass die im Produkt enthaltene Menge dieses Inhaltsstoffes auf der Verpackung in Prozenten angegeben wird.

Die branchenüblichen Richtlinien für die Umsetzung dieser Regelung sind missverständlich. 

Dazu ein Beispiel: Bei einem Produkt (z.B. mit Rind) steht auf dem Etikett: „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (mind. 4% Rind)“.  Die Tabelle gibt an, wie viel Prozent verwendet wird:

 

Claim (Auslobung) Anteil
Mit (Rind) Geschmack weniger als 4%
Mit (Rind) mind. 4%
Reich an (Rind) mind. 14%
(Rind-) Mahlzeit mind. 26%
Nur (Rind) mind. 65% (Rest is Sauce)

 

Diese Regel spiegelt langjährige Deklarationspraxis wider und wurde unter Einbeziehung der Expertise von Wissenschaftlern und Behörden entwickelt. Momentan steht eine europaweite Anerkennung dieses Regelwerkes (Code of Good Labelling Practice for Pet Food) (=Gute Kennzeichnungs- und Deklarationspraxis von Heimtiernahrungsprodukten) durch die Europäische Union zur Diskussion.

 

Warum deklarieren nicht alle Hersteller jeden einzelnen Bestandteil?

Das ist eine Frage der Flexibilität, der Herstellungskosten und des Preises.

Hersteller von Heimtiernahrung müssen sich festlegen, ob sie mit einer Gruppen- oder Einzeldeklaration arbeiten. Bei der Einzeldeklaration werden alle Einzelfuttermittel in absteigender Reihenfolge des Gewichtsanteils angegeben. Bei einer Gruppendeklaration wird Anteil der fleischlichen Rohstoffe (je nach Rezeptur bis zu 60%) unter ''Fleisch- und tierische Nebenerzeugnisse'' zusammengefasst.

Bei dieser Art der Deklaration sind Hersteller bei möglichen Schwankungen der Verfügbarkeit von Rohmaterialien ein wenig flexibler. Ohne diesen ''Puffer'' wären ein Neudruck von Verpackungsmaterial oder die Anpassung des Preises für das Produkt an die Marktlage öfter erforderlich.

 

Brauchen Wölfe oder Wildhunde als Fleischfresser nicht mehr als nur 4% Fleischanteil?

Stimmt, aber sie brauchen auch nicht „nur Fleisch“ sondern die richtige Mischung aller Nährstoffe. Also Protein, Fett, Mineralstoffe, Vitamine und Wasser. Sonst drohen ernährungsbezogene Krankheiten (z.B. all meat syndrome) durch „Zuwenig oder Zuviel“.

Im Gegensatz zu Katzen sind Hunde Beutetierfresser, und keine Fleischfresser. Ein Alleinnahrungsmittel für Hunde muss alle lebensnotwendigen Nährstoffe im richtigen Verhältnis zueinander und im richtigen Verhältnis zu den aufgenommenen Kilokalorien enthalten.

Wölfe und Wildhunde fressen zumeist das ganze Beutetier „mit Haut und Haaren“, und das ist ernährungsphysiologisch auch sinnvoll. In der Literatur gibt es ein Krankheitsbild, das im Englischsprachigen „all meat syndrome“ genannt wird, eine ernährungsbedingte Regulationsstörung der Nebenschilddrüse (sekundärer, nutritiver Hyperparathyreoidismus) bei reiner Fleischfütterung, die durch den hohen Phosphor- und den geringen Kalziumgehalt in Muskelfleisch entsteht. Durch das Fressen von Knochen und Knöchelchen und/oder Schnäbeln etc. wird dieser Kalzium – „Mangel“ im Fleisch in der Nahrung wieder ausgeglichen.

 

Warum ist der Gehalt an Getreide in Trockennahrungsprodukten so hoch?

Ohne Mehl kein Brot, ohne Stärke (Kohlenhydrate) keine Formgebung. Bröckchen,  statt Pulver im Napf,  ermöglicht erst die Aufnahme des Futters und damit der Nährstoffe. Um Bröckchen oder trockene Futterstückchen (sogenannte Kibbles) herstellen zu können, bedienen sich Tiernahrungshersteller der Technik des Extrudierens. Bei der Extrusion wird der Futterbrei unter Einfluss von Druck und Temperatur durch eine definierte Öffnung (Düse oder Matrize) gepresst. Dabei geht der Brei ganz oder teilweise in einen flüssigen Zustand über. Durch den Druckabfall bei Verlassen der Düse gelatiniert im Futterbrei die Stärke aus dem Getreidemehl, die Bröckchen werden knusprig und fest.

Die Erhitzung im Extruder macht das Futter für Hunde leichter verdaulich und das erhöht die Futterverwertung. Außerdem wird das Futter durch die hohen Temperaturen keimarm.

Brauchen Hunde nicht ein Futter ohne Getreide?

Kohlenhydrate sind nicht lebensnotwendig, das stimmt, aber sie bieten auch dem Hund Vorteile. Sie sind nach Erhitzen gut verdaulich und viel weniger mit Allergien verbunden als vermutet. Hunde sind Beutetierfresser und müssen nicht mit Hunderfutter ohne Getreide ernährt werden.

Das Getreide in Fertignahrung ist sowohl in der Menge, als auch der Art sicher und gut verträglich und liefert Energie, Eiweiß, Vitamine, Mineral- und Ballaststoffe. Es wird im Herstellungsprozess so aufgeschlossen, dass es – im Gegensatz zu rohem Getreide – für Hunde gut verdaulich ist. Bei reiner oder auch einer weit überwiegenden Fleischfütterung bekommt der Vierbeiner zu viel Phosphor, zu wenig Kalzium, Kohlenhydrate und Rohfasern.

Auf Weizenkleber reagieren manche Hunde mit Unverträglichkeit, deshalb ist Weizen noch lange nicht für Hunde ungesund, sondern nur im Einzelfall auszuschließen. „Bis heute ist die Existenz allergener Kohlenhydrate beim Hund nicht erwiesen“. Vermutlich ist aber ein Protein innerhalb des Kohlenhydrates (meist Mais oder Weizen)  Auslöser der allergischen Reaktion.

Auf einen Blick:

  • Der Fleischanteil (Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse) im Feuchtfutter liegt bei bis zu 60%, der Fleischanteil im Trockenfutter bei über 20%. Die 4% Aussage bezieht sich ausschließlich auf die Mindestmenge an Fleisch der jeweils beworbenen Variante oder Geschmacksrichtung, z.B. Truthahn, und nicht auf die Gesamtfleischmenge im Produkt.
  • Hunde sind Beutetierfresser und können Hundefutter mit Getreide (Kohlenhydrate) in der Regel gut verdauen. Bei reiner Muskelfleischfütterung entsteht eine ernährungsbedingte Regulationsstörung der Nebenschilddrüse (Hyperparathyreoidismus).
  • Getreide in Fertignahrung ist sowohl in der Menge als auch der Art sicher und gut verträglich und liefert Energie.

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