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Essbare Insekten - ekelig?

„Ein Hund lebt nicht von Fleisch allein“

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Artikel von
Expertenteam

Essbare Insekten - ekelig?

Der gezielte Einsatz von essbaren Insekten als Proteinquelle in der weltweiten Ernährung hat mit dem üblichen Kontakt zu Insekten im Essen, also dem Verderb von Lebensmitteln durch mangelnde Hygiene, nichts gemein.

Für uns in Europa ist alleine der Gedanke, sich von Heuschrecken, Maden oder Würmern zu ernähren, mit vielen Tabus und negativen Gefühlen verbunden. In anderen Kulturkreisen (v.a. Asien und Afrika) wird das Essen von Insekten traditionell ganz anders wahrgenommen.

Schätzungen gehen davon aus, dass bereits 2 Milliarden Menschen auch Insekten als Nahrung zu sich nehmen. Insekten gibt es überall auf der Erde (bis auf die Polregionen). Vor allem in den Tropen werden sie einfach eingesammelt. In manchen Ländern werden sie gezüchtet und sind verlässlich verfügbare Lebensmittel.

Warum ist die Diskussion um Insekten seit einiger Zeit so aktiv? Es gibt viele gute Gründe, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

  • Bis zum Jahr 2050 wächst die weltweite Bevölkerung auf neun Milliarden Menschen. (FAO Food and Agriculture Organisation der Vereinten Nationen)
  • Knapp 70% aller landwirtschaftlichen Flächen sind heute in die Fleischproduktion einbezogen (direkt oder indirekt)
  • Fast 80% der Proteine für die Aufzucht von Vieh, Fischen und Geflügel importiert Europa.
  • 1.700 Insekten weltweit sind essbar, zehn Insektenarten sind z.B. in Belgien als Lebensmittel anerkannt. Mehl- und Buffalowürmer, Heuschrecken und Grillen (und davon Kopf und Panzer) werden vor allem gegessen.
  • Insekten sind sehr proteinreich und schmecken nussig oder leicht süß.
  • Die Mast von Rindern zur Herstellung einer bestimmten Menge an Protein, braucht zehnmal mehr Energie verglichen mit der Aufzucht von Insekten zur Erzeugung der gleichen Menge an Protein. (Davon müssen aber die längeren Transportwege noch abgezogen werden)(Quelle: Vetimpulse Nr. 1, 24. Jahrgang, 1. Januar 12015.)

" Heuschrecke auf Kochlöffel Foto: Reuters

 

 

 

 

 

 

 

Spannend, wir essen Hummer, Krebs und Shrimps, und sind durchaus bereit, viel Geld dafür auszugeben. Auf der Expo in Hannvoer zur Jahrtausendwende gab es geröstete Heuschrecken und im 19. Jahrhundert (angeblich bis Mitte des 20 Jahrunderts)  war eine Maikäfersuppe in Deutschland eine bekannte Spezialität. In Ländern in denen traditionell Insekten gegessen werden, gibt es sehr viele Rezepte rund um Insekten.

Der Geschmack von Heuschrecken soll nussig sein, eiweißreich sind sie allemal. Sie enthalten alle lebensnotwendigen Aminosäure und sind ernährungsphysiologisch gleichwertig mit Fleisch und Fisch. Das wäre für die menschliche Ernährung äußerst interessant, denn der Fleischverbrauch der Weltbevölkerung soll bis 2050 um 70% steigen.

Eiweißreiche Futterquellen für die Ernährung lebensmittelliefernder Tiere oder Fische in Aquakultur sind jetzt schon stark begrenzt, deshalb ist die Futtermittelindustrie an der Erschließung neuer Eiweißquellen interessiert.

Mit der Folge: das Interesse an Insekten als Nahrungsquelle nimmt weltweit zu.

Wie weit das bislang in der Forschung gehen kann, zeigt ein Beitrag des Deutschlandfunkes

Arnold van Huis,  Universität Wageningen in den Niederlanden sieht eine Win-win-Situation für Abfall- wie Landwirtschaft:

"Die Soldatenfliege wird von einigen favorisiert, weil deren Larven auf allen möglichen organischen Abfälle gedeihen. Das macht sie sehr interessant. Denn auf der Welt wird ein Drittel der landwirtschaftlichen Produkte und unserer Nahrung ungenutzt weggeworfen. Wenn man jetzt Insekten auf diesen Abfällen heranzieht, wird daraus ein proteinreiches Produkt."........

............Der Platzbedarf für eine Soldatenfliegenzucht ist vergleichbar gering, bei hoher Produktivität. Eine Generation der Larven braucht rund 20 Tage, um sich dick zu fressen und dabei um mehr als das 1000-fache an Gewicht zuzulegen. Getrocknet besteht ihr Körper zu mehr als 60 Prozent aus Protein und zehn Prozent Fett. Im Vergleich zum Anbau von Sojabohnen kann auf einem Hektar Fläche pro Jahr die 150-fache Menge an Protein aus Insekten gewonnen werden. Es ist Massentierhaltung in einer völlig neuen Dimension...............

Arnold van Huis:

"Das größte Problem ist derzeit die Gesetzgebung. In Europa gibt es Vorgaben, dass Tiere in Schlachthäusern geschlachtet werden müssen. Aber jeder weiß, dass ein Schlachthaus für Insektenlarven völlig hirnrissig ist. Dennoch muss man erst die Gesetze ändern."

Eine andere EU-Richtlinie schreibt vor, dass Nutztiere in der Landwirtschaft keine anderen Tiere fressen dürfen – außer Fischmehl. Als diese Regel im Zuge der BSE-Krise aufgestellt wurde, hatte noch niemand an die Option des Verfütterns von vermahlenen Insekten gedacht. Mittlerweile arbeitet die EU-Kommission an der Novellierung entsprechender Richtlinien. Im Fischfutter für die Aquakultur dürfen Insekten bereits enthalten sein.

Professor Dr. Wilhelm Windisch vom Lehrstuhl für Tierernährung an der TU München hat sich zum Thema Insekten allerdings kritisch geäußert :

"Wenn man Insekten im industriellen Maßstab züchtet, bedeutet das Abermillionen von Tiere auf engstem Raum – was den Einsatz von Medikamenten sehr wahrscheinlich macht. Wir wissen nicht, von welchen Krankheiten diese Tiere alle befallen werden und welche Hygieneprobleme wir uns bei einer Massenproduktion einfangen".Außerdem dürfe man nicht davon ausgehen, dass man Insekten zur Erzeugung von Lebensmitteln einfach mit irgendwelchen Abfällen füttern könne. Sie brauchen, wie alle anderen Lebewesen auch, hochwertige und hygienisch einwandfreie Nahrung, damit sie wachsen und gedeihen".

Auch zum Thema Proteingehalt in Insekten wird kontrovers diskutiert:

Professor Dr. Wilhelm Windisch vom Lehrstuhl für Tierernährung an der TU München hält die publizierten Proteingehalte für zu hoch:

"Einen großen Teil des vermeintlichen Eiweißgehalts vieler Insekten macht das Chitin aus. Es wird bei der Analyse irrtümlich miterfasst, ist jedoch selbst kein Eiweiß und hat auch sonst keinen Nährwert. Ohne das Chitin enthalten Insekten ähnliche Gehalte und Qualitäten an Eiweiß wie andere Nutztiere auch".

Es gibt viele offene Fragen, aber die Diskussion zu Insekten als Eiweißquelle in Tiernahrung hat schon begonnen.


1 Kommentare

default Am 12.04.2016 antwortete Cornelia:

Hallo Grit,

ganz sicher müssen wir uns weltweit in den nächsten Jahrzehnten umstellen und offener für bestimmt Ernährungsthemen werden. Toll, dass du Insekten sogar schon probiert hast. Ich weiß noch, wie groß meine Überwindung war, Muscheln oder Tintenfisch zu probieren. Das hat sich auch geändert :-).

Danke für den Link und deinen Kommentar.

 

Am 11.04.2016 kommentierte Grit I.:

Überall auf der Welt werden Insekten gegessen. Nur wir finden dies kulturell bedingt abstoßend (?). Ich habe schon Insekten im Urlaub probiert und finde nichts Schlimmes daran. Warum sollte man diese Proteinquelle nicht nutzen, egal ob für Tierfutter oder für den Direktverzehr.
Die Nährwerte von Insekten sind schon beeindruckend: http://snackinsects.com/epages/a1912e88-af41-44f3-a576-4706265b1d46.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/a1912e88-af41-44f3-a576-4706265b1d46/Categories/Infos-Tipps


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