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„Ein Hund lebt nicht von Fleisch allein“

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Expertenteam

Hundefutter und Trends

Von Getreidefrei über Barfen und Hunde-Orthomolekularmedizin bis hin zu veganer Ernährung. Manches kommt und geht, anderes bleibt. Welche Informationen sind zu den einzelnen Trends zu finden?

Von Getreidefrei über Barfen und Hunde-Orthomolekularmedizin bis hin zu veganer Ernährung. Manches kommt und geht, anderes bleibt. Welche Informationen  sind zu den einzelnen Trends zu finden?

Barfen

 „Barf“ steht für : „Bone and Raw Food“ (Knochen und rohes Futter) oder „biologically appropriate raw food“ (biologisch artgerechte Rohfütterung). Also vor allem Fleisch und Knochen von verschiedenen Tieren, ergänzt durch Öle, Gemüse, Obst, Nüsse, Algen, Kräutern und/oder Getreide. Alle Zutaten (bis auf Getreide) werden roh, also ungekocht verwendet.

Die Vorteile beim Barfen sind eine  Begrenzung auf wenige Rohmaterialien (v.a. Eiweißquellen) für Hunde mit Neigung zu Allergien oder  Intoleranz gegenüber bestimmten Nährstoffen. Auch Hundehalter, die die Verfütterung von Zusatzstoffen vermeiden wollen, entscheiden sich für Barfen. Außerdem werden kleine Kotmengen und eine gute Kotkonsistenz durch die hohe Verdaulichkeit des Fleisches beobachtet (die aber auch bei erhitztem Futter zu finden sind).  

Zur Erstellung einer ausgewogenen Ration ist fundiertes Wissen erforderlich. Mit Hilfe von auf Heimtierernährung spezialisierter Tierärzte , die computergestützte Rationsberechnungen erstellen , kann man mögliche Imbalancen ausschließen.

Die im Internet oder in Büchern publizierten Barf Rezepte sind häufig unausgewogen. Zu finden sind: zu viel oder zu wenig Protein, zu viel Fett, zu viel oder zu wenig Kalzium und Phosphor, Zu viel oder zu wenig Vitamin A, zu wenig Vitamin E und D, und zu wenig Zink, Kupfer, Jod und Mangan)Quelle: Veterinary Focus, Vol 24/ 2014

Auch der Hygieneaspekt muss berücksichtigt werden, denn Salmonellose ist ein reales Risiko, wenn Fleisch/Eier nicht genügend erhitzt werden, allerdings eher für Menschen als für Hunde problematisch. Bakterien, Einzeller, Würmer und Viren werden durch den Verzicht auf Erhitzung nicht mehr abgetötet und stellen im Unterschied zu hygienisch einwandfreiem, erhitzten Futter, ein Restrisiko für  Mensch und Hund dar. Knochenfütterung beinhaltet das Risiko von Zahnfrakturen, Verstopfung, schmerzhaftem Knochenkot und Verletzungen des Magen-Darmkanals.

Das Verfüttern von Schlund (an denen sich Schilddrüsengewebe befindet) kann zu einer Schilddrüsenüberfunktion führen. Quelle: Veterinary Focus, Vol 24/2014

Es gibt keine wissenschaftlichen Langzeitstudien über die Auswirkungen, die das Verfüttern von nicht erhitztem Futter auf Hunde haben.  Sollte ein Hund an einer Grunderkrankung leiden, dann ist abzuklären, ob die erforderliche Diät durch das Barfen abgedeckt wird.

Hunde, die an einer Niereninsuffizienz, also Fehlfunktion der Nieren erkrankt sind, bitte nicht barfen!

" Boxer frisst rohe Beinscheibe Das probier ich jetzt mal.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 Getreidefrei

Hunde bevorzugen es, nur 10% ihrer Kilokalorien über Kohlenhydrate zu decken, 30% über Eiweiß und 60% über Fett. Kohlenhydrate sind nicht essentiell, also lebensnotwendig  (mit einer Ausnahme, in der Trächtigkeit und Säugezeit brauchen Hündinnen Kohlenhydrate, um Milch bilden zu können)

Allerdings liefern Kohlenhydrate  schnell verfügbare Energie und Ballaststoffe, die eine optimale Verdauung unterstützen.

Die landwirtschaftliche Revolution –vor allem der Anbau von Weizen- hat Mensch und Wolf gezwungen, sich an eine stärkereichere Ernährung anzupassen.  Hunde haben sich daher im Laufe der Domestikation genetisch angepasst und ein Erhitzen von kohlenhydratreicher Nahrung ermöglicht es dem Hund, Stärke zu verdauen. In rohem Zustand ist Stärke (z.B. aus Kartoffeln, Weizenkörner) nicht verdaulich und führt zu Durchfall, das hat aber mit einer allergischen Reaktion nichts zu tun.

Ob der Halter eines gesunden Hundes getreidefrei füttert oder nicht ( Gluten-Unverträglichkeit ist sehr selten, dann muss aber auf Getreideprodukte verzichtet werden), ist sein persönliche Entscheidung, aber sie sollte nicht auf falschen Argumenten beruhen.

Denn gesunde Hunde können mit oder ohne kohlenhydrathaltige Nahrung ernährt werden, bei Hunden mit einer Nieren-, Leber- oder Pankreaserkrankung kann es sogar erforderlich sein, vermehrt Kohlenhydrate einzusetzen, weil Fette oder Eiweiße reduziert werden müssen. 

Vegan

Für Welpen und trächtige oder säugende Hündinnen ist eine vegane Ernährung nicht geeignet, denn Defizite im Wachstum können nicht mehr korrigiert werden. Hier endet daher das Verständnis vieler Experten für die fleischfreie Ernährung, die zunehmend von Vegetariern oder Veganern auch für ihren Hund angestrebt werden.

Hunde sind Beutetierfresser, also weder ein obligatorischer Fleischfresser wie die Katze noch ein Allesfresser, wie wir Menschen.

Fleischfreie Ernährung- immer mal wieder angeboten- ist kein Problem, aber dauerhaft benötigt ein Hund ein Aminosäureprofil, das in pflanzlichen Rohwaren nicht zu finden ist. Auch der Bedarf an Kalzium wird häufig unterschätzt. Hier muss also ergänzt werden.

Ernährungsexperten empfehlen Hundehaltern, die vegan ernähren wollen, den Ernährungsplan ihres Hundes mit spezialisierten Tierärzten abzustimmen und auch den Hund regelmäßig zum Check vorzustellen.

Ein Interview mit Frau Professor Ellen Kienzle (Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik am Lehrstuhl für Tierernährung der Ludwig-Maximilians-Universität München) ist hier zu finden.

Zusätze zum Futter:

1.       "Orthomolekularmedizin" mit Mineralstoffen

„Durch eine hochwertige, naturreine Mineralversorgung werden die Regenerationskräfte des Hundes gestärkt und seine Lebensqualität gefördert. Der gezielte Einsatz dieser Vitalstoffe aus rein natürlichen Quellen kann bei einer Vielzahl von Beschwerden und Erkrankungen helfen“ sagt zumindest ein Hersteller.

Der Einsatz von Vitalstoffen wird als erforderlich angesehen, weil „künstliche  Zusätze beim Hund eine Vielzahl von gesundheitlichen Beschwerden verursachen können“.

Folgt man dem Link auf die Seite, erfährt man, dass das Produkt „naturreines, mikronisiertes Siliciumdioxid sowie die Spurenelemente Eisen, Magnesium und Calcium“ enthält. Ein Erfahrungsbericht einer Tierhalterin und einer Tierheilpraktikerin werden zitiert.

Wissenschaftliche Studien zur Untermauerung der gesundheitsbezogenen Angaben im Text („ die zur Prophylaxe und zur Therapie zahlreicher Beschwerden erfolgreich eingesetzt werden) sind nicht zu finden.

2.       Andere, oft nicht näher bezeichnete „Vitalstoffe“

Algen zur Jodergänzung – funktioniert bei Meeresalgen, Spirulina und Chlorella enthalten kein Jod.

Samen, Nüsse und Kräuter enthalten nur wenig Spurenelemente und liefern demnach bei realistischer Dosierung keine angemessene Ergänzung der Ration. Quelle: Veterinary Focus, Vol 24/2014

Zusätzliche Ergänzungen sind bei Verfütterung eines Fertigproduktes, das den wissenschaftlichen Vorgaben der FEDIAF entspricht, nicht erforderlich. Gesunde Hunde werden daher vermutlich keine nennenswerten Vorteile davon haben, so dass die übermäßig hohe Nährstoffversorgung eher problematisch sein kann. Hunde, die mit selbst zubereiteten Rationen ernährt werden, benötigen eine Supplementierung mit Vitaminen und Mineralstoffen.

Maßgeschneidert auf die Ration, die angeboten werden soll, können Mangel- oder Überschussernährung vermieden werden. Nicht alle Hersteller von Supplementen im Internet haben den nötigen Sachverstand.


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