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Getreidefreies Hundefutter

„Ein Hund lebt nicht von Fleisch allein“

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Artikel von
Expertenteam

Getreidefreies Hundefutter

Trend, Mythos oder guter Ratschlag?

Getreidefreies Hundefutter - gefährlich oder genehmigt?

Bei der Diskussion über den Sinn und Unsinn von Kohlenhydraten in der Hundenahrung ist vor allem getreidefreies Hundefutter  in der „Schusslinie“.

Ist Getreide artgerecht oder ein billiger Füllstoff und können Hunde als Fleischfresser Getreide überhaupt verdauen? Getreidefreie Hundefutter werden als die bessere Alternative angeboten, weil  Getreide angeblich Allergien auslöst. Viele Mythen ranken um dieses Thema.

Vorweg: Hunde bevorzugen es, nur 10% ihrer Kilokalorien über Kohlenhydrate zu decken, 30% über Eiweiß und 60% über Fett. Kohlenhydrate sind nicht essentiell, also lebensnotwendig  (mit einer Ausnahme, in der Trächtigkeit und Säugezeit brauchen Hündinnen Kohlenhydrate, um Milch bilden zu können) Das waren aber objektiv betrachtet auch schon die Nachteile.

Auf der Habenseite sind Kohlenhydrate: schnell verfügbare Energie und Lieferanten von Ballaststoffen, die eine optimale Verdauung unterstützen.

Wenn nicht aus Kohlenhydraten (z.B. dem Polysaccharid Stärke), woher kann die benötigte Energie im Futter sonst stammen?

Fett ist einer der drei möglichen Energielieferanten, steht meistens aber eher für Leistung auf lange Sicht zur Verfügung, weil es im Körper als Energiedepot in den Fettzellen gespeichert wird und nicht für sofortige Leistungsmomente genutzt werden kann. Eiweiß wird hauptsächlich für den Aufbau und den Erhalt von Körperzellen genutzt und wird im Überschuss über die Nieren ausgeschieden, kann also nicht gespeichert werden. Der Wasserbedarf für den Ablauf der Energiegewinnung aus Eiweiß ist größer.Die Abbauprodukte (Ammoniak, der zu Harnstoff wird) sind ausscheidungspflichtig, Ammoniak ist giftig. Der Körper hat also viel zu tun mit der Verdauung von Eiweißen und dieser Aufwand ist für die Bereitstellung von „nur“ Energie zum Toben oder Rennen nicht gerechtfertigt.

Die landwirtschaftliche Revolution –vor allem der Anbau von Weizen- hat Mensch und Wolf gezwungen, sich an eine stärkereichere Ernährung anzupassen.  Hunde haben sich daher im Laufe der Domestikation genetisch angepasst und ein Erhitzen von kohlenhydratreicher Nahrung ermöglicht es dem Hund, Stärke zu verdauen. In rohem Zustand ist Stärke (z.B. aus Kartoffeln, Weizenkörner) nicht verdaulich und führt zu Durchfall, das hat aber mit einer allergischen Reaktion nichts zu tun.

Quelle: Axelsson E, Ratnakumar A, et al. The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch-rich diet. Nature 2013; 495: 360-364

Ob der Halter eines gesunden Hundes getreidefreies Hundefutter nutzt oder nicht, ist seine persönliche Entscheidung, aber sie sollte nicht auf falschen Argumenten beruhen.  Kartoffeln und Mais liefern übrigens auch Kohlenhydrate und werden in vielen selbstgemachten Rationen eingesetzt, obwohl stärkehaltiges Futter für den Hund als angeblichen Carnivoren ungeeignet sein soll.

Gesunde Hunde können mit oder ohne getreidefreiem Hundefutter ernährt werden, bei Hunden mit einer Nieren-, Leber- oder Pankreaserkrankung kann es sogar erforderlich sein, vermehrt Kohlenhydrate einzusetzen, weil Fette oder Eiweiße reduziert werden müssen. 

" Getreidefreies Hundefutter Weizenfeld: designed bei Freepick

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf das in manchen Getreidesorten (nicht nur in Weizen!) vorkommende Klebereiweiß, aber auch auf die Eiweißbestandteile in Reis oder Kartoffeln sind allergische Reaktionen möglich. Einen Hund vorsorglich getreidefrei zu füttern, macht allerdings genauso wenig Sinn, wie vorsorglich nie Erdbeeren zu essen, weil man fürchtet irgendwann eine Allergie auf Erdbeeren zu entwickeln. Im Gegenteil - das Verfüttern möglichst vieler Rohmaterialien in den ersten Lebensmonaten wird zunehmen positiv diskutiert, weil der Körper bei einer allergischen Reaktion (=einer völlig überzogenen Abwehrreaktion) auf vermeintlich Fremdes reagiert. Was in den ersten Lebensmonaten durch Futteraufnahme kennengelernt wurde, ist nicht „fremd“.

Zwei Anmerkungen am Schluss, die nicht direkt den Hund betreffen:

Stärke wird für den Herstellungsprozess, das Extrudieren von Trockenfutter,  gebraucht, sonst würde es keine Futterbröckchen, sondern Fleischmehl im Napf geben.

Getreide ist preiswerter als Fleisch, in der Herstellung  von Fertignahrung und beim Selberkochen. Vor allem als Halter eines großen Hundes ist die Ernährung mit einem hochwertigen Trockenfutter eine preislich akzeptable Alternative.


3 Kommentare

default Am 29.06.2015 antwortete Cornelia:

Hallo Cathy,

du, Marga und Diana haben geschrieben, was wir hier bei www.hund-fragen-wissen.de auch sehr wichtig finden, nämlich, dass jeder seinen Hund so füttern dürfen sollte, wie es diesem Frauchen/Herrchen-Hund-Team gut bekommt.

Ohne ein schlechtes Gewissen, weil man preyed oder barft, Dosen oder Trockenfutterbeutel aufmacht, selber kocht (mit Fleisch/ vegetarisch oder sogar vegan) getreidefrei oder makrobiotisch, das Preiswerteste oder das Teuerste - solange der Hund trotzdem alle essentiellen Nährstoffe bekommt und fit und gesund ist.

Am Ende wollen alle Futtermittelhersteller, Buchautoren, Ernährungsexperten oder Mitarbeiter in Zoofachgeschäften - bei aller Liebe zum Hund - das Gleiche, nämlich auch "Geld verdienen". Und das ist völlig ok - alle müssen für die Zwei- und Vierbeiner in ihren Familien Brötchen und Futter kaufen können und das verdienen sie halt mit ausgewogenen Produkten oder ihrer Expertise.

Eigentlich einleuchtend: Hersteller sind daran interessiert, dass Hunde möglichst lange gesund sind und ihr Futter fressen können. Wie dumm und kurzsichtig wäre ein Hersteller, der seine Kunden bewusst krank füttert, so dass dieser spezielle Nahrung zu sich nehmen oder im schlimmsten Fall eingeschläfert werden müsste.

Man muss bei der Ernährung eine Hundes nicht immer einer Meinung sein, aber die Meinung des Anderen akzeptieren.

Solange ein Hersteller die Vorteile der eigenen Produkte erklärt und keine Falschaussagen oder Mythen zu Mitbewerbern oder anderen Fütterungsstilen gemacht werden, solange mit Fakten und nicht mit schlechtem Gewissen oder übermäßig missionarisch gearbeitet wird, ist es hoffentlich hilfreich zur Meinungsbildung und keine Propaganda :-).

Am 28.06.2015 kommentierte Cathy:

„Hallo ihr Lieben!
An dieser Stelle möchte ich mich einfach mal für euer Futter bedanken!Ihr habt alles richtig gemacht.
Vor einigen Jahren habe auch ich mich zu angeblich "Hochwertigeren" Futtersorten hintreiben lassen,weil ich dachte das ich meinem Hund damit etwas gutes tue.Dem war leider nicht so.Mein Großer (Staff-Pitbull,4Jahre)war völlig antrieblos,hatte schlechten Stuhl (oft Durchfall),er erbrach,hatte schlechten Atem und er verweigerte oft einfach seine Mahlzeiten.Durch seine Hüftprobleme,mochte er nicht mehr nicht mal mehr wirklich gehen.Obwohl in den teuren Marken was für die Gelenke mit drin sein soll,musste ich trotzdem noch etwas zufüttern.
Es war einfach schrecklich!Er tat mir so leid.
Sowas lässt einen Hundehalter natürlich nachdenklich werden und ich prangerte meinen ach so tollen und hochwertigen Fütterungsstil an...
Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht so viel Geld,wollte ihm aber auch was gutes gönnen.Also holte ich einen Sack Pedigree und das Dosenfutter der Marke (als Mischfütterung) weil mir diese Firma doch sehr Vertrauensvoll vor kommt.Siehe da:Nach nicht mal eine Woche nach der umstellung erkannte ich meinen Hund nicht wieder.Er rannte wieder,war fröhlich,hatte keinen Durchfall mehr,die Blähungen waren weg,das Fell glänzte.Ich kann mit ihm endlich wieder radfahren.
Es geht ihm einfach mega gut damit und ich werde bei diesem Futter bleiben.

Klar gibt es Hunde die manche Bestandteile nicht vertragen aber dann gleich alle "preiswerteren" Futtersorten über einen Kamm zu scheren und die Besitzer als schlechten Hundehalter darzustellen find ich unterste Schublade.Jeder wie er füttern mag und gut.Niemand muss zum barfer "bekehrt" werden wenn er einfach nicht will.Mir würde im Leben nicht einfallen jemanden wegen des Futters zu beleidigen,wie es hier in der Stadt leider sehr häufig passiert.
In diesem Sinne:Daumen hoch,weiter so!“

Am 17.06.2015 kommentierte Marga :

„Halllo liebe Diana !!!
Endlich mal jemand der es beim Namen nennt ! Ich kann es auch nicht mehr hören , diese selbsternanten Hundefutter - Gurus , die einen ständig zum Barf etc . Bekämen wollen ! Habe keine Lust täglich ein Frisch - Fleisch Gemetzel zu Veranstalten, damit der Hund angeblich nur so seine Vollwertige Mahlzeit bekommen kann ! Gerade wenn ein Kind da ist !
Pedigree ist und bleibt gut !!!
LG Marga & Max !!!“

default Am 17.06.2015 antwortete Cornelia:

Hallo Diana,

Lob und Kritik sind für Hersteller (egal welcher Produkte) immer ein Geschenk. Dafür ein großes Dankeschön.

Lob geben, vor allem im Internet, erfordert dabei heutzutage besonders viel "Mut und Selbstbewusstsein", weil die Reaktion Andersdenkender, im Schutz der vermeintlichen Anonymität des Internets, manches Mal Toleranz und gute Kinderstube vermissen lassen.

Ich hoffe daher, dass du auch viele positive Rückmeldungen für den Kommentar bekommst. Nicht im Sinne einer uneingeschränkten Zustimmung (Es gibt einzelne Hunde, die eine bestimmte Futtersorte, z.B. Pedigree, einfach nicht vertragen - aber deshalb ist das Futter nicht schlecht!),  sondern weil du Erfahrungen schilderst, wie du sie erlebt hast.

Die häufig verwendeten Mythen "rum um Hundefutter" werden auch durch Wiederholung einfach nicht richtiger.

Korrekte Infos und die Liebe zu Hunden mit einem fairen und offenen Dialog auf dieser Seite zu verbinden - wenn wir das erreichen, das wäre wirklich einfach toll. Du hast einen wichtigen Beitrag dazu geleistet.

Am 16.06.2015 kommentierte Diana:

„Hallo an alle Hundebesitzer! Ich hatte 15 Jahre einen Chow Briard Mix, den ich seit Baby an mit Pedigree Feuchtfutter ernährt hatte. Er wog 35 Kilo war Malamut Größe und tip top gesund bis ins hohe Alter. Mit 15 ist er eingeschlafen hatte noch alle Zähne und war gesund! Mittlerweile habe ich 4 Hunde, 3 Schopfhunde und einen Boxer. Ich habe mich durch Fressnapf und Co beirren lassen Pedigree sei nicht hochwertig genug und enthält Lockstoffe etc. Ich habe von den Züchtern immer Pedigree mitbekommen für die Hunde und habe nach dem es aufgebraucht war etwas anderes gekauft von Wolfsblut über Happy Dog, Royal Canin, Eukanuba, Wilderness, Eukanuba, Hills, Bosch und wie sie alle heißen... Immer auf der Suche nach dem best möglichen Futter. Was zur Folge hatte Blähungen, Durchfall, Hautausschlag, Schuppenbildung. Nicht nur das diese vermeintlich super guten Futtersorten Schweine teuer sind sind sie im Test alle durchgefallen bzw. haben nur ausreichend abgeschlossen. Ich war verzweifelt meine Hunde mußten brechen nach dem fressen und ich dachte sie sind alle krank und oder allergisch! Bis ich die diesjährige Ausgabe von Stiftung Warentest in die Finger bekam. Da habe ich mich echt doof gefühlt! Ich habe meine Hunde über 2 Wochen schonend auf Pedigree umgestellt, ich füttere jetzt Trocken und Naßfutter ausschließlich Pedigree. Meine Hunde fressen es als gäb es kein Morgen sie haben keinen Durchfall mehr ,erbrechen nach dem füttern nicht und haben auch keinen Hautausschlag mehr! Also keine Getreide Allergie. Das Fell ist dicht und glänzt und sie fühlen sich wohl. Manchmal sollte man eben nur auf seinen Bauch hören denn damit hatte ich zuvor ja 15 Jahre keine schlechten Erfahrungen gemacht. Man hat es nicht leicht in der heutigen Zeit wo man von allem zuviel bekommt. Pedigree gibt es aber schon eine gefühlte Ewigkeit und das hat seinen Grund!“


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